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Kostenexplosion ist ein Desaster

Teile der Gebäude „Alte Sparkasse“ und „Schlosshotel“ wurden abgerissen. Seitdem ruht die Baustelle, weil die Baukosten explodiert sind und unklar ist wie es weiter gehen soll.

Die Rede von Andreas Hölzel, gehalten in der Kreistagssitzung am 18. Februar 2019, zu den Tagesordnungspunkten

1. Verwaltungszentrum Eschwege
2. Bildung oder Bestimmung eines Ausschusses zur Akteneinsicht gem. § 29 Abs. 2 HKO
(Antrag der FWG-Kreistagsfraktion vom 02.12.2018):

„Viele stimmen der FWG zu, dass die Situation um den Verwaltungsneubau in jetzigem Status noch immer ein Desaster darstellt.

Am 7.Juli 2016 kamen wir mit dem kompletten Kreistag hier an gleicher Stelle zusammen, um nach Recherchen, Planungen, Architektenwettbewerb, Beratungen und Ausschüssen mit dem Füllhorn Lob über die geleistete Arbeit, Entwürfe, seriöser Preisermittlungen etc. auszuschütten.

Wir von der FWG, welche sich mit dem jeweiligen Planungsstand und deren Ergebnissen immer wieder kritisch auseinander gesetzt hatten, bekamen Ansätze von einem „schlechten Gewissen“,  ob der geäußerten vielen Fragen, Anregungen und Zweifel an der ein oder anderen Vorstellung und Kalkulationen und dem Zeitaufwand, den wir damit immer wieder von den Beteiligten einfordern mussten.

Es schien alles aus- und weggeräumt. Aus dem KT Protokoll zitiere ich Herrn Dr. Wallmann v. 7.7.2016:

Herr Dr. Wallmann legte dar, dass die Architekten des Büros Hufnagel für die Planung und den Bau von Kosten in Höhe von insgesamt 8,2 Millionen Euro ausgehen. Darin enthalten sind nicht die Kosten für den Kauf des Schlosshotels sowie für die spätere Möblierung. Er erläutert die Gesamtkalkulation und erklärt, dass sich das Budget in Höhe von 13,8 Millionen Euro für das Gesamtprojekt Verwaltungssanierung wie folgt aufteilt: 3 Millionen Euro für die Schlosssanierung, 300 T Euro für das Kreishaus in Witzenhausen und 10,5 Millionen Euro für den Bereich Verwaltungszentrum. Rechnet man  zu den 8,2 Millionen Euro den Ankauf des Schlosshotels sowie Kosten für den Wettbewerb hinzu, verbleiben für den Bereich Verwaltungszentrum 1,6 Millionen Euro, die als Sicherheitspuffer für Planungsrisiken dienen (20% der Bausumme von 8,2 Millionen Euro). Er betont, dass es selbstverständlich das Ziel ist, diesen Puffer nicht auszuschöpfen. Er weist in diesem Zusammenhang allerdings auch darauf hin, dass sich das Projekt noch in der Phase der Vorplanung befindet und sich hier noch Unwägbarkeiten ergeben können. Mit Blick auf die Folge-, Neben- und Betriebskosten wird versucht werden, hier mit dem zur Verfügung stehenden Budget ein Optimum zu erreichen. Er erläutert, dass die Kostenkalkulation in der Bewertungsmatrix indirekt berücksichtigt wurde. So wurde im Rahmen des Verhandlungsverfahren mit den Preisträgern u.a. auch die Höhe des Honorars, welches sich nach den anrechenbaren Kosten errechnet, bewertet. Er geht auf die Gefahr der Kostensteigerungen ein und erklärt, dass versucht wurde, dieses Risiko so gering wie möglich zu halten. Er erläutert, dass alle drei Vorschläge das vorgegebene Raumprogramm erfüllen, wobei die Planungen des Büros Hufnagel die Anforderungen am besten umsetzen. Zusammenfassend stellt er fest, dass der Entwurf des Büros Hufnagel einen optimalen Kompromiss zwischen den Aspekten Funktionalität des Gebäudes, Wirtschaftlichkeit, Stadtbild und Denkmalschutz erreicht.  Ende des Zitats.

Der Beschluss lautete, dass auf Basis der Angebotsbewertung der Auftrag an den Bieter:  Architekt Hufnagel vergeben wird. D.h. Wir haben gedeckelt.

Jegliche ihrer Bemühungen,  Herr Dr. Wallmann, ab sofort von 10.5 Mio. Euro Kostenrahmen zu reden, um somit die nun anfallenden Mehrkosten bei den verschiedenen aktuellen Varianten entsprechend niedriger ausfallen zu lassen, ist in unseren Augen ein unseriöser Taschenspielertrick.

Wenn Sie also in der Kostenschätzung zB.  „Variante 0“  von 41% Mehrkosten ausgehen, verweisen wir von der FWG auf den am 7.7.2016 eingeräumten 20% Puffer für eventuelle Mehrausgaben für Preissteigerungen und andere Eventualitäten zu addieren, d.h. wir sind nun bei 61 % Mehrkosten gegenüber dem Planungsentwurf des Architekten und uns im Juli 2016 vorgelegten Beschlussvorschlag.

Und ein solcher Vorgang muss uns eine eventuelle Trennung von dem beauftragten Architekten berechtigen, auch ohne ihm horrende Summen an Euros Abfindung zahlen zu müssen.  Auch das sollte, nein das muss in einem Vertrag festgehalten sein.

Nun zu den uns am Freitag im FA vorgelegten Umplanungsvarianten „Szenario“ genannt. Mit Mehrkosten, die den Bürgerinnen und dem Bürger im WMK nicht zu vermitteln sind.

Das Herr Dr. Wallmann, meine Damen und Herren muss ihnen doch klar sein. Auch von uns, der Politikseite aus, könnten wir nichts Schlimmeres praktizieren, wenn wir Ihren ausgearbeiteten Vorschlag „schön reden“, durchwinken und Sie als 1. Kreisbeigeordnetem und Dezernent mit ihrer Verwaltung entsprechend das so umsetzen lassen.

Herr Dr. Wallmann, wir Freie Wähler meinen, dass hier ganz erheblich etwas schief gelaufen ist. Wir, als die in letzter Konsequenz für das Geld der Bürger Verantwortlichen, müssen nach neuen Wegen suchen und das von Ihnen verursachte Desaster reparieren. Das ist unsere Aufgabe und Pflicht!

Unsere Vorschläge dazu:

  1. Die Kosten für das Gesamtpaket werden jetzt zuverlässig und vor allem belastbar ermittelt – ohne Abweichungen und Toleranzen, die sich im zweistelligen Prozent-Bereich bewegen. Zum Gesamtpaket gehören: der Neubau, möglicherweise die Einbeziehung des Gebäudes in Oberhone mit  Kauf und Sanierung, vor allem aber das Landgrafenschloss. Ohne die
    Sanierungskosten für das Landgrafenschloss detailliert zu kennen,  können wir hier nämlich gar nicht weiter beraten, weil es keinen Sinn  ergibt, über Kosten zu diskutieren, bevor die größte Unbekannte  ermittelt ist.
    Erst wenn wir wissen, was wir nach der Sanierung des Schlosses von  unserem Budget noch übrig haben wissen wir, was wir uns überhaupt  noch leisten können. Wir müssen endlich anders herum denken und handeln. Nicht länger: wir wollen dieses und jenes, was kostet es? Der Bürger bezahlt es. Sondern: Wie viel Geld haben wir? Damit müssen wir
    auskommen! Was bekommen wir dafür? Und da gilt für uns FWG die einst gesetzte Budget-Grenze in Höhe von 13,8 Millionen Euro für alles.
  2. Sobald wir die Kosten ermittelt haben, suchen wir uns einen Bauträger, der zu einem Festpreis das von uns dann geschnürte Paket baut.
  3. Möchte ich von Ihnen wissen, wie viel Geld uns die Trennung vom
    Architekturbüro final kostet, für den Fall, dass die Trennung erforderlich
    GGF. verzichtet ja auch der Architekt anlässlich des Desasters mit solcher Tragweite, an der er in unseren Augen nicht ganz unschuldig ist.
  4. Wir benötigen Akteneinsicht.
  5. Die Berechnung und Notwendigkeit, welche von 232 Arbeitsplätze bei der Kreisverwaltung Eschweges ausgeht, entzieht sich zur Zeit noch unserer Kenntnis. Die Frage und Anregung, welche wir vor bereits ca. 4 Jahren gestellt haben, nämlich „Home Office Arbeitsplätze“ umzusetzen, stellt sich erneut.  Auf die vielen Vorteile gehe ich jetzt aus Zeitgründen nicht ein. Nur soviel: es gibt kaum eine Branche, selbst in Banken-, Börsen, Verwaltungen, Gerichten und Juristen in der nicht mittlerweile auf solche Arbeitsplätze positiv reagiert und erhebliche Synergien erzeugt wurden. Selbst die Bundes SPD hat das ja jüngst eingefordert.

Die unaufhaltsame Digitalisierung! Wie ist die In der Planung berücksichtigt worden?

Auch hier nur soviel: Sie wird Arbeitsplätze verändern, wandeln und rationalisieren.  Da machen wir uns bitte nix vor.  Hier gibt es Tätigkeiten die automatisiert werden und setzen Arbeitskraft frei, für Aufträge, die dann auch von Zuhause aus erledigt werden können.  Bis die mit der Digitalisierung verbundene Veränderungen auch bei der Kreisverwaltung Einzug halten, ist es sogar cleverer, momentan die Anmietung von Räumlichkeiten beizubehalten.    Denn

  1. das Ziel, möglichst keine Räume mehr anmieten zu müssen wird damit zeitversetzt erreicht.
  2. mehrere hundert tausend Euro an Baukosten können eingespart werden.
  3. Unterhaltskosten für nicht mehr benötigte Räumlichkeiten können gar nicht erst anfallen.

Bevor wir irgendwelche evtl. gar überdimensionierte Varianten planen, beschließen und zum Bau in Auftrag geben, sollten wir doch hier noch einmal ansetzen und nach dem zukunftsorientierten Optimum suchen, welcher den Raumbedarf in der Anzahl nach unten korrigiert.

Haben Sie Verständnis, dass die FWG-Fraktion aus vorgenannten Begründungen keiner ihrer vorgelegten Varianten zustimmen wird.“